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Was gilt es bei der ERP-Auswahl zu beachten? Praxisleitfaden aus 1.000+ Beratungsgesprächen

Person sitzt am Schreibtisch und zeigt auf den Laptop vor sich

Die Auswahl eines neuen ERP-Systems ist für viele Unternehmen ein seltenes Projekt. Oft liegt die letzte Entscheidung viele Jahre zurück. Entsprechend groß sind die Fragen.

Welches System passt zu unseren Prozessen? Wie viel Individualisierung brauchen wir? Cloud oder On-Premises? Und wie rechnet sich die Investition?

Aus mehr als 1.000 Beratungsgesprächen nehme ich vor allem eines mit: ERP-Auswahl ist nicht nur Softwareauswahl. Sie entscheiden sich für ein System, einen Partner und einen neuen Arbeitsalltag.

Dieser Beitrag zeigt, worauf Sie dabei achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nicht nur Software auswählen: Entscheidend ist auch, wie Ihr Implementierungspartner arbeitet.
  • Branchenwissen priorisieren: Vergleichbare Prozesse reduzieren Anpassungen, Aufwand und Projektrisiken.
  • Mitarbeitende früh einbinden: Akzeptanz entsteht vor dem Go-live, nicht erst danach.
  • Gesamtkosten ehrlich rechnen: Berücksichtigen Sie Lizenzen, Schnittstellen, Pflegeaufwand und Excel-Nebenprozesse.
  • KI realistisch bewerten: Sie ergänzt klare Prozesse, ersetzt aber keine zentrale Datenbasis.

ERP-Auswahl bedeutet auch Partnerauswahl

Viele Unternehmen vergleichen zuerst Funktionen, Module und Preise. Das ist sinnvoll. Es reicht aber nicht aus.

Ein ERP-Projekt wird nicht allein durch Software erfolgreich. Es wird von zwei Teams umgesetzt: Ihrem Team und dem Team des Implementierungspartners.

Deshalb sollten Sie nicht nur fragen: „Was kann das System?“ Fragen Sie auch: „Wie führt der Anbieter das System ein?“

Ein guter Partner kennt Ihre Branche. Er versteht typische Prozesse, Begriffe und Anforderungen. Er kann vergleichbare Projekte benennen. So müssen Sie nicht bei jeder Anforderung bei null beginnen.

Eine Faktura ist in vielen Branchen ähnlich. Die Prozesse davor unterscheiden sich oft deutlich. Projektgeschäft, Service, Handel oder Produktion stellen andere Anforderungen an Planung, Abrechnung und Dokumentation.

Mein Rat: Erstellen Sie eine Shortlist mit drei bis fünf Anbietern. Prüfen Sie dabei nicht nur Funktionen. Prüfen Sie Branchenerfahrung, Einführungsmethodik und Referenzen.

Nicht die längste Feature-Liste entscheidet. Entscheidend ist, ob der Anbieter Ihre Abläufe versteht.

Das System muss Ihren Mitarbeitenden gefallen

Ein ERP-System begleitet Ihr Team jeden Tag. Mitarbeitende erfassen Daten, bearbeiten Vorgänge, planen Projekte und erstellen Rechnungen direkt im System.

Deshalb darf Bedienbarkeit bei der ERP-Auswahl kein Nebenthema sein.

Ein System kann viele Funktionen bieten. Wenn es kompliziert wirkt, wird es im Alltag nicht gerne genutzt. Das senkt die Akzeptanz. So entstehen Umwege, Excel-Listen und doppelte Datenpflege.

Schauen Sie sich das System deshalb gemeinsam mit späteren Anwendern an. Binden Sie Key-User aus den Fachbereichen früh ein. Dazu gehören zum Beispiel Vertrieb, Projektleitung, Buchhaltung und Service.

Die zentrale Frage lautet: Können Mitarbeitende mit dem System sicher und einfach arbeiten?

Nicht nur die Fachabteilung entscheidet. Auch die Nutzer entscheiden über den Projekterfolg.

Change Management beginnt vor der Einführung

Neue Software verändert Abläufe. Das löst nicht immer Begeisterung aus.

Manche Mitarbeitende kennen ihre bisherigen Prozesse seit vielen Jahren. Sie haben Wissen aufgebaut. Sie wissen, welche Excel-Datei wann benötigt wird. Sie kennen Abkürzungen und Sonderfälle.

Wie schnell solche Excel-Dateien und manuelle Abläufe zum Risiko werden, zeigt auch die Erfahrungsbericht des Hochschulrechenzentrums der TU Darmstadt.

Ein neues ERP-System macht dieses Wissen nicht wertlos. Es macht Prozesse nachvollziehbarer und weniger personenabhängig.

Das müssen Sie klar kommunizieren.

Sprechen Sie früh über die Gründe für das Projekt. Welche Probleme sollen gelöst werden? Welche Arbeit wird einfacher? Welche Aufgaben verändern sich? Und welche Unterstützung erhalten Mitarbeitende?

Binden Sie nicht nur Führungskräfte ein. Binden Sie Menschen ein, die später täglich mit dem System arbeiten.

So reduzieren Sie Widerstände, Fehler und Nacharbeit.

Ein gutes ERP-Projekt beginnt nicht mit der Konfiguration. Es beginnt mit klarer Kommunikation.

Wählen Sie für die Zukunft, nicht für die Vergangenheit

Bei der ERP-Auswahl blicken Unternehmen oft zurück. Welche Anforderungen hatten wir bisher? Welche Sonderfälle mussten wir abbilden? Was hat im alten System gefehlt?

Diese Fragen sind wichtig. Sie sollten aber nicht allein entscheiden.

Ein ERP-System begleiten Sie idealerweise viele Jahre. Deshalb müssen Sie auch nach vorne schauen.

Wie entwickelt sich Ihr Geschäftsmodell? Wollen Sie neue Standorte anbinden? Mehr Projekte parallel steuern? Neue Services anbieten? Oder mehr Prozesse automatisieren?

Blicken Sie dabei auf zwei Perspektiven:

  1. Die aktuelle Basis: Welche Prozesse tragen Ihr Geschäft heute?
  2. Die künftige Richtung: Welche Abläufe, Leistungen oder Strukturen planen Sie?
  3. Die realistische Umsetzung: Was brauchen Sie jetzt und was später?

Nicht jeder Zukunftswunsch muss sofort umgesetzt werden. Das System sollte aber die nötige Flexibilität bieten.

So vermeiden Sie, dass ein neues ERP bereits nach kurzer Zeit wieder an Grenzen stößt.

KI im ERP: sinnvoll einsetzen statt alles ersetzen

Künstliche Intelligenz ist bei vielen ERP-Auswahlprozessen ein zentrales Thema. Das ist nachvollziehbar. KI kann manuelle Tätigkeiten reduzieren und Informationen schneller nutzbar machen.

Zum Beispiel kann KI Daten aus einer Visitenkarte erfassen. Kontaktdaten stehen dann direkt im CRM bereit. Mitarbeitende müssen sie nicht mehr abtippen.

Solche Funktionen sparen Zeit. Sie reduzieren Übertragungsfehler. Und sie schaffen Freiraum für Aufgaben mit höherem Nutzen.

KI ersetzt jedoch kein ERP-System.

Ein ERP schafft die Grundlage für verlässliche Prozesse. Es bündelt Daten, Berechtigungen und Regeln. KI kann auf dieser Basis unterstützen.

Nicht jeder Prozess braucht KI. Wiederkehrende, klar definierte Abläufe laufen regelbasiert oft besser. KI ist besonders dort sinnvoll, wo Informationen interpretiert werden müssen.

Das betrifft zum Beispiel unstrukturierte Dokumente, E-Mails oder eingescannte Belege.

Prüfen Sie bei der Auswahl daher konkret:

  • Welche KI-Funktionen sind heute nutzbar?
  • Welche Daten verarbeitet die KI?
  • Wie sind Berechtigungen und Datenschutz geregelt?
  • Welche Prozesse bleiben regelbasiert?
  • Welche Aufgaben sollen Mitarbeitende weiterhin verantworten?

KI ohne klare Regeln schafft Unsicherheit. KI in klaren Prozessen schafft Entlastung.

Ein System statt vieler: Best of Breed oder All-in-One?

Viele Unternehmen nutzen im Laufe der Zeit zahlreiche Einzellösungen. Ein Tool für CRM. Eine App für Projektplanung. Eine Software für Dokumente. Dazu Tabellen für Controlling, Urlaub oder unfertige Leistungen.

Jede Lösung kann für sich gut funktionieren. Probleme entstehen an den Übergaben.

Dann werden Daten manuell übertragen. Schnittstellen müssen gepflegt werden. Informationen liegen mehrfach vor. Und niemand weiß genau, welche Daten aktuell sind.

Das kostet Zeit. Es erhöht die Fehleranfälligkeit. Es macht Ihr Unternehmen abhängig von einzelnen Personen oder Dienstleistern.

Ein integriertes ERP bündelt zentrale Prozesse auf einer Datenbasis. CRM, Projektmanagement, Warenwirtschaft, Dokumentenmanagement und Faktura greifen auf dieselben Daten zu.

So vermeiden Sie Doppelpflege. So reduzieren Sie Schnittstellen. So erhalten alle Abteilungen einen einheitlichen Informationsstand.

Ein All-in-One-System muss nicht in jeder Einzeldisziplin die umfangreichste Spezialfunktion bieten. Dafür reduziert es Komplexität im Alltag.

Spezialsoftware kann trotzdem sinnvoll sein. Zum Beispiel bei sehr speziellen Anforderungen im Recruiting oder in der Produktion. Entscheidend ist, dass Sie jede zusätzliche Lösung bewusst auswählen.

Die Frage lautet nicht: Welche App hat die meisten Funktionen?

Die Frage lautet: Welche Systemlandschaft unterstützt Ihre Prozesse zuverlässig?

Standard zuerst, Individualisierung gezielt einsetzen

Viele Auswahlgespräche konzentrieren sich auf Sonderfälle. Das ist verständlich. Jede Branche und jedes Unternehmen hat Besonderheiten.

Trotzdem sollten Sie zuerst auf Ihre Kernprozesse schauen.

Deckt das System Ihre wichtigsten Abläufe ab? Können Sie Angebote erstellen, Projekte planen, Zeiten erfassen, Leistungen abrechnen und Dokumente verwalten? Passen die zentralen Prozesse zu Ihrem Geschäftsmodell?

Wenn diese Basis nicht passt, hilft auch umfangreiche Individualentwicklung nicht weiter.

Ein Branchenstandard deckt oft einen großen Teil der Anforderungen ab. Das spart Konfigurationsaufwand. Es reduziert Kosten. Und es erleichtert spätere Updates.

Nicht jede bestehende Besonderheit muss erhalten bleiben. Manche Prozesse sind historisch gewachsen. Sie existieren, weil das bisherige System keine bessere Möglichkeit bot.

Prüfen Sie deshalb kritisch: Ist dieser Ablauf wirklich ein Wettbewerbsvorteil? Oder ist er nur Gewohnheit?

Individualisierung ist sinnvoll, wenn sie Ihre besondere Leistung unterstützt. Sie sollte nicht dazu dienen, alte Umwege dauerhaft zu konservieren.

Nicht alles anpassen. Erst den Standard prüfen, dann gezielt ergänzen.

Den ROI einer ERP-Einführung realistisch berechnen

Ein neues ERP-System verursacht zunächst Kosten. Dazu gehören Lizenzen, Implementierung, Schulungen und interne Projektzeit.

Diese Kosten müssen transparent sein. Nicht später, sondern früh im Auswahlprozess.

Eine gute ROI-Betrachtung ist dabei keine Schönrechnung. Sie zeigt, ob sich die Investition unter realistischen Annahmen trägt.

Beginnen Sie mit den bestehenden Kosten:

  1. Lizenzen für ERP, CRM, DMS und weitere Anwendungen.
  2. Kosten für Schnittstellen, Wartung und externe Dienstleister.
  3. Aufwand für doppelte Datenpflege und manuelle Übertragungen.
  4. Zeit für Excel-Listen, Abstimmungen und Fehlerkorrekturen.
  5. Kosten durch fehlende Transparenz oder verspätete Informationen.

Gerade Excel wird dabei oft unterschätzt. Viele Unternehmen steuern Urlaub, Projektcontrolling oder Rückstellungen außerhalb ihrer Kernsysteme.

Diese Listen sind nicht kostenlos. Mitarbeitende pflegen sie. Andere Mitarbeitende prüfen sie. Bei Ausfall einer Person fehlt oft der Überblick.

Rechnen Sie deshalb nicht nur neue gegen alte Lizenzkosten. Berücksichtigen Sie auch den Zeitaufwand in Ihren Fachbereichen.

Eine einfache Betrachtung kann so aussehen:

Jährlicher Nutzen = eingesparte Systemkosten + bewertete Zeitersparnis − neue laufende Kosten

Die Einführungskosten können Sie anschließend auf die geplante Nutzungsdauer verteilen. Bei Unternehmenssoftware sind acht bis zehn Jahre ein sinnvoller Orientierungsrahmen.

Wichtig ist: Bewerten Sie die Zeitersparnis selbst. Nicht jede gesparte Stunde führt direkt zu mehr Umsatz. Sie kann aber Wachstum ermöglichen, Fehler reduzieren oder eine Nachbesetzung vermeiden.

Wenn sich die Investition nicht nachvollziehbar rechnet, sollten Sie kritisch bleiben.

Cloud oder On-Premises: Die Betriebsform muss zu Ihnen passen

Die Frage nach Cloud oder On-Premises wird oft grundsätzlich diskutiert. In der Praxis sollte sie individuell beantwortet werden.

Cloud-Betrieb kann Vorteile bei Verfügbarkeit, Updates, Backups und Sicherheitsmaßnahmen bieten. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen können diese Leistungen intern oft nicht mit gleichem Aufwand bereitstellen.

On-Premises kann sinnvoll sein, wenn besondere Anforderungen bestehen. Das betrifft zum Beispiel produktionsnahe Szenarien oder besondere Vorgaben für Daten und Infrastruktur.

Entscheidend ist nicht der Standort allein. Entscheidend ist, ob Sie den Betrieb zuverlässig sicherstellen können.

Prüfen Sie deshalb folgende Punkte:

  • Wer überwacht Server, Updates und Backups?
  • Wie schnell kann das System nach einem Ausfall wiederhergestellt werden?
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen sind vorhanden?
  • Können Mitarbeitende auch mobil arbeiten?
  • Funktionieren benötigte KI-Dienste in der gewählten Betriebsform?

Die richtige Entscheidung ist nicht grundsätzlich Cloud oder grundsätzlich On-Premises. Sie muss zu Ihrer IT-Kompetenz, Ihrer Infrastruktur und Ihren Anforderungen passen.

Fazit: ERP-Auswahl ist eine unternehmerische Entscheidung

Die Auswahl eines ERP-Systems ist keine rein technische Aufgabe, sondern ein strategisches Projekt. Es geht darum, Transparenz zu schaffen und Ihr Team fit für kommende Herausforderungen zu machen.

Nicht die Software mit der längsten Feature-Liste gewinnt, sondern die Lösung, die Ihre Prozesse versteht und von Ihren Mitarbeitenden gerne genutzt wird. Nehmen Sie sich die Zeit, den passenden Partner und ein System zu finden, das mit Ihrem Unternehmen mitwächst.

Sie möchten prüfen, welche Anforderungen für Ihr Unternehmen wirklich zählen und ob Munixo zu Ihren Prozessen passt? Dann vereinbaren Sie einen persönlichen Termin. Gemeinsam klären wir pragmatisch und direkt, ob wir der richtige Partner für Ihren neuen Arbeitsalltag sind.

FAQ

Wie viele ERP-Anbieter sollte ich vergleichen?

Drei bis fünf Anbieter sind in der Regel ausreichend. Wichtig sind Branchenkenntnis, vergleichbare Referenzen und eine nachvollziehbare Einführungsmethodik. Eine größere Auswahl kostet oft viel Zeit, ohne die Entscheidung besser zu machen.

Wie viel Individualisierung braucht ein ERP-System?

Der Standard sollte Ihre Kernprozesse weitgehend abdecken. Individualisierungen sind dort sinnvoll, wo sie einen echten Unterschied für Ihr Geschäftsmodell machen. Nicht jede historisch gewachsene Ausnahme muss dauerhaft erhalten bleiben.

Wann rechnet sich eine ERP-Einführung?

Das hängt von den gesamten Kosten und Einsparungen ab. Rechnen Sie Lizenzen, Schnittstellen, Wartung, manuelle Arbeit und Excel-Nebenprozesse ein. Berücksichtigen Sie außerdem Zeitersparnis, geringere Fehlerquoten und bessere Skalierbarkeit.

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Thomas Rütz Novicon Munixo
Thomas Rütz
CSO Novicon

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"Ich freue mich darauf, herauszufinden, ob Munixo für Ihr Unternehmen die passende ERP-Lösung ist. Falls es passt, steigen wir gerne in einer Demo tiefer in Ihre Anwendungsfälle ein."
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